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"Wenn der Körper die Seele wegen erlittener Misshandlungen verklagen wollte, würde sie sicher verurteilt werden."
Epiktet, um 50 - 138 n. Chr., ehemaliger Sklave und griechischer Philosoph, späte Stoiker-Schule
Allgemeines zum Thema Burn-out
Burn-out hat verschiedene Ursachen: Einerseits solche, die in der Person selbst begründet sind und andererseits Belastungsfaktoren von außen:
Die Arbeit verdichtet sich zunehmend unter dem Druck der Globalisierung und den stetig wachsenden Anforderungen und Forderungen. Diese sind Ausdruck unseres Glaubens an stetiges Wachstum der Produktion, der Umsätze, der Gewinne, des Einkommens, …
Es fällt uns schwer, zu akzeptieren, dass es in der physischen Welt kein unbegrenztes Wachstum geben kann. Jedes Wachstum, sei es im biologischen oder wirtschaftlichen Kontext, stößt an natürliche Grenzen. Ressourcen lassen sich nicht beliebig vermehren: Es gibt eine begrenzte Menge physikalischer Energie und Rohstoffe, begrenzten Platz, begrenzte Menge an Nahrung, eine begrenzte Menge an Menschen oder potenziellen Kunden, …
Wieso glauben wir dann, dass unsere geistige und physische Energie im Arbeitseinsatz unbegrenzt seien? Dass das Arbeitspensum und die zu erreichenden Ziele immer höher gesteckt werden könnten? Glauben wir im Ernst, dass uns der Erwerb immer weiterer Statussymbole glücklicher macht?
Burn-out kostet den Betroffenen die Gesundheit und die Lust am Leben. Der Volkswirtschaft kostet Burn-out jährlich 100 Milliarden $ (Untersuchung der FH Köln).
Statt über die Unternehmensphilosophie nachzudenken, „verordnen“ viele Unternehmer ihren Mitarbeitern ein Motivationstraining, um von ihren ausgebrannten Mitarbeitern kurzfristig noch mehr Leistung herauszuholen, was letztlich den Burn-out noch verstärkt. Die späteren schädlichen Folgen für den Mitarbeiter, für das Unternehmen, die Volkswirtschaft und das Gesundheitswesen werden dabei nicht erkannt. Der Coach und Dienstleister, der vom Unternehmer bezahlt wird, befindet sich oft selbst in der Tretmühle des Burn-outs. Die meisten von ihnen sind nicht psychotherapeutisch ausgebildet, und sie versuchen, verleitet vom Ideal der „Leistungspsychologie“, den oder die Coachees (= zu Coachende) im Sinne ihres Auftraggebers auf Linie zu bringen.
Hier erinnere ich mich an ein Gespräch in privater geselliger Runde mit einem Coach. Er erzählte mir von einem aktuellen Auftrag. Der Cochee, ein Projektleiter, habe einen totalen Burn-out. Das Großprojekt dauere noch drei Monate. Der Auftraggeber für das Coaching instruierte den Coach wörtlich so: „Tun Sie alles, damit Herr xy (Coachee) bis zum Abschluss des Projekts durchhält. Was nachher mit ihm ist, das ist mir egal.“ Solche Aufträge seinen keine Seltenheit, erzählte mir der Coach.
Der Coach hatte an diesem geselligen Abend etliche Bierchen konsumiert und er wirkte auf mich depressiv. Zeigte sich hier sein eigener Burn-out oder versuchte er, sein Gewissen zu betäuben?
Supervision, Coaching oder Therapie in Form von Gruppenmaßnahmen sind aus meiner Sicht in den meisten Fällen nicht geeignet, die Situation zu verbessern. Wie soll sich ein Klient in einer Konkurrenzsituation innerhalb einer Gruppe öffnen können, wenn diese Gruppe bzw. dieses Unternehmen selbst zum Burn-out beiträgt? Soll er vor der Gruppe seine (vermeintlichen) persönlichen Schwächen offenbaren?
Umso dringlicher ist daher die Notwendigkeit, dass der Supervisor / Wegbegleiter / Therapeut …
… nicht vom Arbeitgeber bezahlt wird,
… von extern hinzugezogen wird,
… psychotherapeutisch ausgebildet ist,
… mit seinem Klienten in einem persönlichen Schutzraum arbeitet.
Nur so kann sichergestellt werden, dass die individuelle Lebens- und Entwicklungsgeschichte des Betroffenen hinreichend gewürdigt und dass ihm fachkundig geholfen wird. „Heilung“ von Burn-out, aber auch die Prävention von Burn-out erfordern therapeutische Kompetenz.
In Deutschland ist das Eingeständnis psychischer Probleme noch immer ein Tabu.
Die Notwendigkeit der professionellen Hilfestellung eines Therapeuten wird von den Betroffenen leider oft als persönliche Schwäche empfunden. Zu dieser Ansicht neigen insbesondere Menschen, die einen hohen Leistungsanspruch an sich selbst haben.
Mit psychotherapeutischen Maßnahmen kann den Betroffenen oft schon in wenigen Sitzungen zu mehr Lebensqualität verholfen werden.
Ziel der Psychotherapie ist nicht nur die Krisenintervention im akuten Fall, sondern eine Persönlichkeitsentwicklung hin zu mehr emotionaler Kompetenz. Diese beinhaltet eine veränderte Selbstwahrnehmung: Wahrnehmung der eigenen Gefühle als Reaktion auf bestimmte Ereignisse und Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse. Sie beinhaltet die Fähigkeit, sich abzugrenzen und Wünsche auszusprechen, ohne sich dabei „schuldig“ zu fühlen. Nicht nur die Grenzen, sondern auch die eigenen Fähigkeiten und Stärken werden erkannt. Mit Freude und Zuversicht werden neue Ziele und Visionen entwickelt, die im Einklang mit inneren Werten anstelle von Statussymbolen stehen.
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